Emils Weihnachtseskalation

Liebe Freunde des normalen Blutdrucks,

nachdem ich euch vor Weihnachten noch ein paar gute Tipps gegeben habe, um gut über die Tage zu kommen, musste ich bereits am Heilig Morgen / Mittag / Nachmittag feststellen, dass ich selbst nicht an alles gedacht habe….Und so ist passiert, was passieren musste….es hat mich selbst erwischt!

Bevor ich nun die Ereignisse im Detail schildere, möchte ich gern die Emil Wutskala einführen; die Wutskala geht von 0 bis 10, wobei 0 soviel bedeutet wie „total relaxt“, „alles harmonisch“ oder „nichts kann passieren“, die 10 dagegen bedeutet „alles weg was als Waffe dienen kann“, „nicht angucken oder sogar ansprechen“ oder „Gummiwände hochziehen“. Und los gehts…

Heilig Morgen, ca. 11 Uhr:
Nach ein paar kleinen Tätigkeiten, wie z.B. die Wohnung auf Vordermann zu bringen, steht einem fröhlichen Fest nichts mehr im Wege; Anke muss noch schnell einkaufen gehen, ich beschließe, mich mit meinem schönen Buch auf die Couch zu legen und ein wenig zu entspannen. Die Vorfreude steigt, Wutfaktor 0.

11.03 Uhr:
Gerade habe ich mein Buch aufgeschlagen, bin im dritten Satz, geht die Klingel: Ding Dong….Wutfaktor 1; ich gehe die Tür öffnen: Anki, mit einem Paket in der Hand. Die Lage entspannt sich, Wutfaktor 0.

11.07 Uhr:
Das Paket habe ich ausgepackt, den Müll entsorgt, Anki ist schon wieder draußen am Eis kratzen. Ich lege mich wieder auf die Couch, schnappe mein Buch, suche den Satz, in dem ich unterbrochen wurde, lese weiter. 2 Sätze später, man glaubt es kaum: Ding Dong. Wutfaktor 3! Ich gehe zur Tür: Anki! Kriegt das Eis nicht von ihrem Auto, will mit meinem fahren, das wohlbehütet und eisfrei in der Garage steht. Kleine Diskussion (Wutfaktor pendelt zwischen 2 und 4), sie nimmt meinem Schlüssel, Thema erledigt. Wutskala pendelt sich auf 2 ein,

11.10 Uhr:
Wieder Couch, wieder Buch, 3 Sätze weiter….Ich höre in der Einfahrt meinen Wagen, mit durchdrehenden Rädern. Wutfaktor 4…die Räder drehen immer mehr durch…Wutfaktor 4,5….ich versuche mich auf mein Buch zu konzentrieren, da geschieht es: ein lautes gellendes Autohupen…Wutfaktor 6! Ich schmeiße mein Buch entnervt auf die Couch und gehe zum Fenster zur Einfahrt…Anki steigt gerade aus, ich versuche mit ihr Kontakt aufzunehmen; sie hört meine Schreie nicht, da sie bereits auf dem Weg zur Straße ich, Wutfaktor 6,5. Ich will zum Fenster an der Straße gehen, und stolpere über meinen selbstgebauten Meerschweinchen Zaun auf dem Boden, den ich vergessen habe; meine Zehe schmerzt, das Holz ist auseinandergebrochen, Wutfaktor 7. Nichts desto trotz schaffe ich es, mich zum anderen Fenster zu bewegen, wo ich Anki schon um die Ecke schlendern sehe. Ich öffne das Fenster. Was ich natürlich im Eifer des Gefechts vergessen habe, dass ich dort vor kurzem kleine Blumentöpfe hingestellt habe.Das wird mir erst klar, nachdem eines dieser Richtung Boden fällt. Geistesgegenwärtig und mit dem Reflex eines Oliver Kahns schnappe ich nach dem Topf, mit Erfolg! Genauso geistesgegenwärtig stelle ich fest, dass es sich um den kleinen Kaktus aus Fuertaventura handelt! Von dem jetzt einige Stachel in meinem Finger stecken! Etwas überrascht lasse ich natürlich wieder los, der Topf fällt, auf dem Boden nur noch Erde…Wutfaktor 12! Meine Flüche in Lautstärke eines ICE („Meine Nerven liegen jetzt schon Blank“) belustigen den DHL Fahrer, der natürlich genau zu dieser Aktion vor unserem Haus gestanden hat…Aus Wut bereits in Lethargie erstarrt, beschließe ich, einfach wieder auf die Couch zu gehen und mein verdammtes Buch zu lesen!

11.13 Uhr:
Schnell habe ich mich ein wenig beruhigt, lese nun endlich in meinem Buch, Wutfaktor 6, steht plötzlich Anki im Zimmer; Wutfaktor 8. Nach kurzer intensiver Diskussion verlässt sich mich jedoch wieder…

11.18 Uhr:
Tatsächlich mal 3 Sätze am Stück gelesen, Wutfaktor 4. Aufgrund dieses Erfolges beschließe ich, doch mal nach meinem Auto zu gucken. Ich ziehe mich an, gehe nach draussen. Anki ist immer noch am Kratzen. Ich setze mich in mein Auto, fahre aus der Einfahrt…Biete Anki an, mit meinem Auto weiterzufahren…Sie  nimmt nach kurzer Diskussion an. Alles ist wieder gut! Wutfaktor 2. Anki steigt ein, will losfahren, dreht wieder durch. Wutfaktor 4. Nach kurzen Instruktionen schafft sie es, fährt weg, oh mein Gott, jetzt kann ich endlich in Ruhe mein Buch lesen!

ca. 12.45 Uhr:
Mittlerweile hat sich die Lage wieder total entspannt, ich komme gut voran in meinem Buch, Wutfaktor 0,5. Entspannt auf der Couch höre ich, wie Anki zurückkommt. Ein Blick aus dem Fenster zeigt mir, dass sie artig hinter ihrem Auto parkt, aber was ist das? Nicht ein wenig weit nach vorne gefahren? Ich sehe, dass sie den Rückwärtsgang reinlegt, die Reifen quietschen, Rauch von den durchdrehenden Rädern; Wutfaktor 5. Ich ziehe mich wieder an, gehe wieder raus, und sehe, dass sie mein Auto direkt in den riesigen Schneehaufen zum nächsten Haus gefahren hat! Fassungslos setze ich mich ins Auto, und versuche selbst die Situation zu retten…keine Chance! Also aussteigen und scheppen…Wutfaktor 8…immer noch keine Chance…nach mehrmaligen Versuchen und Scheppen und unter gütiger Hilfe eines Nachbarn habe ich es dann endlich geschafft…hat ja nur 10 Minuten gedauert…erleichtert fahre ich los, eine Runde um den Block. Wutfaktor 5.

11.22 Uhr:
Nach ca. 1 min ist meine Tour auch schon wieder beendet, ich parke das Auto ordentlich auf dem Bürgersteig, nicht in irgendwelchen Schneehaufen…Laufe zur Haustür, die sperrangelweit offen steht…Meine Rufe nach Anki werden nicht beantwortet. Ich gehe ins Haus, ziehe mich wieder um, schreie wieder nach Anki…kein Antwort. Wutstufe 6. Ich laufe durchs ganze Haus, schaue aus dem Fenster, keine Anki. Wutskala 7. Beschäfigt von der Frage, warum die Tür offen steht, sie aber nicht da ist, mach ich mir was zum Essen…plötzlich geht die Haustür auf, und Anki kommt beladen mit Plätzchen wieder rein…hat sichs mal ein paar Minuten bei der Nachbarin gemütlich gemacht…hammerhart! Egal, ich gehe jetzt einfach schlafen.

ca. 16.45 Uhr:
nach einem schönen Mittagsschlaf und der anschließenden Dusche machen wir Bescherung; die Lage hat sich total beruhigt, Wutfaktor 0. Anki will zu ihren Eltern fahren und begibt sich zu Ihrem Auto…eine üble Vorahnung schleicht in mir hoch…das sichere nächste Chaos erwartend bin ich nun schlauer, und gehe direkt mit raus…das Anfahren klappt mal wieder nicht auf Anhieb, aber irgendwann setzt sich das Hupsomobil dann doch in Bewegung. Langsam, aber sicher, fährt Anki den Berg hoch. Problem nur, dass gerade von oben auch Autos kommen, und Anki stehen bleibt…etwas genervt marschiere ich also ihr nach…ihr Fluchen macht mich irgendwie auch böse, Wutfaktor 3. Langsam lässt sie das Auto rückwärts rollen, da wohl auch der Horst von oben nicht bereit ist, mal ein wenig Platz zu machen…ich überlege, den Kerl mal richtig rund zu machen, Wutfaktor 5…allerdings sehe ich auch, dass ein paar Meter hinter Anki gerade jemand versucht, aus ihrer Einfahrt zu fahren…also sage ich zu Anki, sie soll mal stehen bleiben. Allerdings komme ich wohl gegen ihre Flüche nicht an…und sie fährt stets weiter rückwärts. Den sicheren Crash vor Augen bleibt mir nichts übrig, als die volle Gewalt meiner Stimme zu benutzen, um Anki zum Anhalten zu bewegen. Wutfaktor 8. Hat dann auch gefruchtet. Die andere fährt raus…Anki fährt rückwärts rein, vorwärts wieder raus und tuckert fluchend dem Horizont entgegen…und ich kann nun endlich wieder an den warmen Kamin!

Und Männer, was lernen wir aus dieser kleinen Geschichte: an Heilig Abend wird mit dem Arsch daheim geblieben, vor allem wenn es schneit! Wenn man sich nämlich nicht so gut im Griff hat wie ich, kann so etwas böse enden!

LG Emil

Du kannst ein Kommentar schreiben, oder einen Trackback von deiner Seite setzen.

Kommentar hinterlassen